Palmwedel für den Papst aus Sanremo und Bordighera

Anläßlich des Palmsonntags machen die Städte Sanremo und Bordigheradem Vatikanstaat jedes Jahr ein ebenso ungewöhnliches wie symbolisches Geschenk: die traditionellen “Parmureli”.

Es handelt sich dabei um Palmblätter, die einer alten künstlerischen Tradition folgend in Handarbeit geflochten werden.

Sie stammen aus zwei Rivierastädten, auf deren Gebiet der Anbau und das natürliche Vorkommen von Palmen besonders verbreitet sind (Bordighera besitzt den nördlichsten natürlichen Palmenhain Europas).

An der Bereitstellung und dem Transport des Geschenks nach Rom beteiligen sich verschiedene Institutionen, wie z.B. das “Centro Studi e Ricerche per le palme”, die soziale Kooperative “Il Cammino”, die Stiftung für „Beni e Attività Artistiche della Chiesa“ sowie die Gemeinden Bordighera und Sanremo.

Über 2000 “Parmureli” werden auf dem Petersplatz an die Gläubigen verteilt, die dort auf den Segen des Papstes warten; 100 etwa ein Meter große “Parmureli” bekommen die Kardinäle und der größte und schönste ist für den Heiligen Vater selbst bestimmt.

Der Brauch, dem Papst am Sonntag vor Ostern Palmwedel zu schenken, hat eine lange Geschichte: Alles begann 1586, als man auf Geheiß Papst Sixtus V. auf dem Petersplatz den ägyptischen Obelisken aufstellte, der 39 v.Chr. von Caligula nach Rom gebracht worden war.

Verantwortlich für die Errichtung des 26 Meter hohen und 350 Tonnen schweren Obelisken war der Architekt Domenico Fontana. Für die Aktion wurden 900 Arbeiter, 140 Pferde und 44 argani Winden benötigt.

Am 10. September, dem festgelegten Tag, sammelte sich eine große, neugierige Menschenmenge auf dem Petersplatz, aber wegen der gefährlichen und heiklen Angelegenheit hatte der Papst unter Androhung der Todesstrafe verfügt, niemand dürfe während der Arbeiten einen Laut von sich geben.

Während der Obelisk aufgestellt wurde, begann er plötzlich gefährlich zu schwanken und die Seile, die ihn hielten, waren nahe daran zu reißen. Da schrie ein wagemutiger Kapitän aus Sanremo, Kapitän Benedetto Bresca:Aiga ae corde! (Wasser auf die Seile!). Diesem Rat folgend stellten die Ingeneure des Vatikans den Obelisken an genau der Stelle auf, an der er noch heute steht.

Der Papst bestrafte den spontanen ligurischen Kapitän natürlich nicht, im Gegenteil, er belohnte ihn und seine Nachkommen mit dem Privileg, dem Vatikan zum Palmsonntag die geflochtenen “Parmureli” schenken zu dürfen – gefertigt aus den Blättern der Palmen, die an der Blumenriviera so reichlich gedeihen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war diese Tradition ein wenig verloren gegangen, aber in den letzten Jahren wurde der über 400 Jahre alte Brauch dank des Einsatzes zahlreicher Vereinigungen und der Stadtverwaltungen der beiden Rivieraorte wieder belebt.

Er verleiht einer sakralen Zeremonie Prestige und Bedeutung und erlaubt es Westligurien, die überlieferte traditionelle Kunst des Palmenflechtens darin fortleben zu lassen.


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